Grundhärte oder Mikrohärteverlauf auswählen, Querschliffpräparation, Prüfkraft, Abstände und Unsicherheit beherrschen und Härte nicht mit Eigenspannung verwechseln
Grundhärte und Mikrohärte beantworten nach dem Verfestigungsstrahlen unterschiedliche Fragen. Rockwell oder ein anderes Makrohärteverfahren kann Grundwerkstoff oder Wärmebehandlung prüfen; sein Eindruck reicht üblicherweise wesentlich tiefer als die gestrahlte Oberflächenschicht. Eine Vickers- oder Knoop-Messreihe an einem präparierten Querschliff kann einen oberflächennahen Gradienten abbilden, wenn Eindruckgröße, Prüfkraft, Abstände, Randabstand und Präparation geeignet sind. Keines der Verfahren misst unmittelbar Druckeigenspannung oder Ermüdungsverhalten.

Was soll die Härtemessung nachweisen?
| Technische Frage | Geeigneter Nachweis | Wesentliche Grenze |
|---|---|---|
| Erfüllt die Wärmebehandlung ihre Grundanforderung? | Freigegebenes Makrohärteverfahren an zeichnungsdefinierten Stellen | Erfasst ein wesentlich größeres Volumen als die gestrahlte Schicht |
| Liegt ein oberflächennaher Härtegradient vor? | Vickers- oder Knoop-Messreihe im Querschliff mit geeigneter Prüfkraft und Abständen | Präparation, Eindruckgröße und Randeinflüsse können nahe der Oberfläche überwiegen |
| Veränderte sich eine Phase oder ein Gefügebestandteil? | Mikro- oder instrumentierte Eindringprüfung in dokumentierter Gefügezone | Ein einzelner Eindruck repräsentiert keinen heterogenen Werkstoff |
| Ist das Eigenspannungsprofil zulässig? | XRD oder anderes validiertes Eigenspannungsverfahren bei Forderung | Härte ist keine Eigenspannungsmessung |
| Verbessert sich das Ermüdungsverhalten? | Repräsentative Ermüdungs- oder Bauteilvalidierung bei Forderung | Härte allein sagt Rissinitiierung und Lebensdauer nicht voraus |
Tabelle 1. Die Verfahrensauswahl beginnt mit der technischen Aussage und nicht mit dem verfügbaren Härteprüfgerät.
Warum kann die Grundhärte unverändert bleiben?
Verfestigungsstrahlen beeinflusst plastisch eine Oberflächenschicht, deren Tiefe im Verhältnis zu vielen Makrohärteeindrücken klein ist. Ein großer Eindruck integriert Oberflächen- und Grundwerkstoffreaktion; die Wärmebehandlung kann den Wert beherrschen. Dies belegt nicht, dass die Oberfläche unbehandelt blieb.
Die Grundhärte bleibt wichtig, wenn die Zeichnung einen Werkstoffzustand vor oder nach dem Strahlen fordert. Vorgeschriebene Skala, Messort, Mindestdicke und Oberfläche sind einzuhalten. Der Messort darf nicht nur deshalb auf eine raue Bearbeitungszone verlegt werden, um das Verfahren strahlempfindlicher zu machen.
Wie wird ein Mikrohärte-Tiefenverlauf präpariert?
Bauteil oder technisch genehmigte repräsentative Probe wird am definierten Ort und in definierter Richtung getrennt. Der Querschliff wird eingebettet und so präpariert, dass die tatsächliche Kante erhalten bleibt und übermäßige Verrundung, Erwärmung, Verschmieren oder präparationsbedingte Kaltverformung vermieden werden. Die ursprüngliche gestrahlte Oberfläche wird nach der Präparation eindeutig bestimmt.
Eindrücke werden in dokumentierten Tiefen entlang einer oder mehrerer Messreihen gesetzt. Die Prüfkraft muss messbare gültige Eindrücke erzeugen und zugleich den Gradienten auflösen. Abstände und Randabstand folgen dem maßgebenden Verfahren; der Eindruck muss im beabsichtigten Gefügebestandteil liegen.

Welche Messdetails müssen beherrscht werden?
| Messgröße | Anzugebende Information | Risiko bei Fehlen |
|---|---|---|
| Verfahren und Eindringkörper | Vickers, Knoop, Rockwell oder instrumentiertes Verfahren mit vollständiger Normrevision | Werte verschiedener Skalen werden unmittelbar gleichgesetzt |
| Prüfkraft und Haltezeit | Kraft, Haltezeit und Belastungsablauf | Eindruckgrößeneffekt oder Kraftabhängigkeit bleibt verborgen |
| Präparation | Schlifforientierung, Einbettung, Schleif- und Polierweg, Randerhaltung und Endoberfläche | Kantenverrundung oder Präparationsverformung verschiebt oder verändert den Gradienten |
| Messort | Abstand von ursprünglicher Oberfläche, Messrichtung, Merkmal und Koordinatenbezug | Profile sind verschoben oder stammen aus nicht gleichwertigen Zonen |
| Abstände und Geometrie | Eindruckabstand, Randabstand, Diagonale oder Eindringtiefe und Gültigkeitsregeln | Benachbarte plastische Zonen oder freier Rand beeinflussen das Ergebnis |
| Stichprobe und Unsicherheit | Anzahl der Messreihen und Eindrücke je Tiefe, Streuung, Kalibrierung und Unsicherheit | Ein günstiger Einzelwert gilt als Bauteilreaktion |
Tabelle 2. Ein Härtewert ohne Verfahren, Kraft, Messort und Unsicherheit ist kein reproduzierbarer Tiefenverlauf.
Wie wird der erste oberflächennahe Messpunkt bewertet?
Der randnächste Punkt ist zugleich am empfindlichsten gegenüber Kantenverrundung, Materialverlust, Rauheit, unklarem Oberflächenbezug und Einfluss des freien Randes. Ein kleinerer Eindruck verbessert die örtliche Auflösung, erhöht aber die Empfindlichkeit gegenüber Spitzengeometrie, optischer Auflösung und einzelnen Gefügebestandteilen.
Mindestabstand und Bestimmung der Oberflächenkoordinate werden vorab definiert. Ein einzelner hoher Wert darf weder auf Tiefe null extrapoliert noch ein niedriger Wert verworfen werden, weil er dem erwarteten Mechanismus widerspricht.
Worin unterscheiden sich Vickers, Knoop und instrumentierte Eindringprüfung?
Vickers verwendet eine Diamantpyramide mit quadratischer Grundfläche und bestimmt die Härte aus gemessenen Diagonalen. Knoop erzeugt einen länglichen flacheren Eindruck, der bei begrenzter Schichtdicke oder knappen Abständen geeignet sein kann. Die Wahl hängt von vollständigem Verfahren, Prüfkraft, Werkstoff und Geometrie ab.
Die instrumentierte Eindringprüfung leitet Härte und weitere Parameter aus Kraft und Eindringtiefe ab. ISO 14577-1:2026 weist darauf hin, dass Eigenspannung, Aufwölbung, Einsinken und andere Abweichungen vom idealen Verhalten zusätzliche Unsicherheit erzeugen. Die Ergebnisse sind nicht automatisch mit optischen HV- oder HK-Werten austauschbar.
Kann Härte die Kaltverfestigung quantifizieren?
Ein Härtegradient kann oberflächennahe Kaltverfestigung stützen, wird aber von Gefüge, Vorbehandlung, Eindruckgröße und Eigenspannung beeinflusst. Er quantifiziert weder plastische Dehnung noch XRD-Peakverbreiterung eindeutig. Eine Korrelation ist am tatsächlichen Werkstoff und Verfahren festzulegen.
Ebenso belegt ein konstanter Härteverlauf nicht die Abwesenheit von Druckeigenspannungen. Jede Messung wird nur für die Größe verwendet, die sie gültig adressiert.

Wie werden unerwartete Ergebnisse untersucht?
| Beobachtung | Mögliche Erklärung | Prüfung vor Schlussfolgerung |
|---|---|---|
| Keine Änderung der Grundhärte | Gestrahlte Schicht ist im Verhältnis zum Makroeindruck flach | Bei Fragestellung zum Gradienten ein begründetes Querschliffverfahren verwenden |
| Hoher erster Messwert | Tatsächliche Kaltverfestigung, Randeinfluss, falscher Rauheitsbezug oder Präparationsverformung | Gültige Messreihen wiederholen, Eindruck prüfen und Oberflächenbezug bestätigen |
| Große Streuung nahe Oberfläche | Textur, heterogenes Gefüge, zu großer Eindruck oder zu kleiner Randabstand | Präparation, Kraft, Abstände, Gefügebestandteil und Messmittelfähigkeit prüfen |
| Unterschiedliche HV bei anderer Kraft | Eindruckgrößeneffekt, Gefüge oder optische Unsicherheit | Kräfte nicht vermischen und nur Gleiches vergleichen |
| Höhere Härte bei schlechter Ermüdung | Rauheit, Schaden, Einschlüsse, Eigenspannungsrelaxation oder anderer Schädigungsmechanismus | Fraktografie, Oberfläche und Eigenspannungsnachweis prüfen |
| Abweichung zur Begleitprobe | Werkstoff, Geometrie, Beaufschlagung, Schliff oder Präparation ist nicht repräsentativ | Gleichwertigkeit und Rückverfolgbarkeit zum bearbeiteten Teil bestätigen |
Tabelle 3. Messsystem und Probenpräparation werden geprüft, bevor eine Schlussfolgerung über den Strahlprozess gezogen wird.
Wie werden Härtewerte mit dem Strahlweg verknüpft?
Aufzuzeichnen sind Teil und Los, Werkstoff und Wärmebehandlung, genauer Messort, Maschine, Strahlmittel, Almen-Intensität, Bedeckungsgrad, Vorrichtung, Masken, Beaufschlagung, Fertigungsfolge und gegebenenfalls Zeit bis zum Trennen. Eine Begleitprobe ist nur nützlich, wenn Werkstoff, Orientierung, Oberfläche und Beaufschlagung die Aussage repräsentieren.
Bei Änderungsvergleichen werden abgestimmter unbehandelter und gestrahlter Werkstoff sowie dieselbe Präparation, derselbe Eindringkörper, dieselbe Kraft und derselbe Messplan verwendet. Einzelwerte und Streuung werden zusätzlich zur geglätteten Kurve angegeben.
Häufig gestellte Fragen
Erhöht Verfestigungsstrahlen immer die Härte?
Nein. Eine oberflächennahe Kaltverfestigung kann auftreten; ihr Betrag hängt von Werkstoff, Ausgangszustand und Prozess ab. Die Grundhärte kann praktisch unverändert bleiben, weil sie ein größeres Volumen erfasst.
Kann Rockwell-Härte die gestrahlte Schicht messen?
Meist nicht, wenn die beeinflusste Schicht gegenüber dem Eindruck flach ist. Rockwell kann weiterhin die Grundhärte der Wärmebehandlung prüfen, wenn Verfahren und Messort so vorgeschrieben sind.
Soll Mikrohärte direkt auf der gestrahlten Oberfläche gemessen werden?
Eine raue, gekrümmte oder eingedellte Oberfläche kann die optische Eindruckmessung unzuverlässig machen. Für einen Tiefenverlauf ist häufig ein sorgfältig präparierter Querschliff geeigneter, sofern das maßgebende Verfahren dies zulässt.
Ist Vickers oder Knoop nahe der Oberfläche besser?
Keines ist allgemeingültig besser. Eindringkörper, Kraft, Schichttiefe, Gefüge, Randabstand und Messunsicherheit bestimmen die Eignung. Das Verfahren muss die benötigte Auflösung qualifiziert erreichen.
Dürfen HV, HK und HRC umgerechnet werden?
Umrechnungen sind näherungsweise und werkstoffabhängig und bei Gradienten, kaltverfestigten Schichten und kleinen Prüfkräften besonders irreführend. Gemessene Skala und Bedingungen sind anzugeben.
Belegt Mikrohärte Druckeigenspannungen?
Nein. Härte und Eigenspannung sind verschiedene Größen. Eigenspannungen können zudem die Eindringreaktion beeinflussen; bei Bedarf ist eine getrennte validierte Spannungsmessung zu verwenden.
Wie viele Messreihen werden benötigt?
Der Plan berücksichtigt Gefügestreuung, Bauteilzonen, erwarteten Gradienten, zerstörende Probenahme und geforderte Unsicherheit. Eine allgemeingültige Zahl ist nicht belastbar.
Muss Härte in jeder Strahlcharge geprüft werden?
Nur wenn Zeichnung, Spezifikation, Produktionslenkungsplan oder Kundenforderung dies aufruft. Intensitäts-, Bedeckungsgrad- und Strahlmittelkontrollen erzeugen nicht automatisch eine Serienhärteprüfung.
Die wichtigsten Punkte
- Grundhärte erfasst ein anderes Werkstoffvolumen als Mikrohärte.
- Ein oberflächennaher Gradient benötigt üblicherweise eine gelenkte Messreihe im Querschliff.
- Verfahren, Kraft, Haltezeit, Abstände, Randabstand und Präparation sind anzugeben.
- Der erste randnahe Eindruck besitzt das größte Messrisiko.
- Härte, Eigenspannung, Kaltverfestigung und Ermüdung sind verwandte, aber getrennte Größen.
- Nur die tatsächlich aufgerufene Serienhärteforderung anwenden.
Weiterführende Leitfäden von SP Center
Technische Quellen
1. ISO 6507-1:2023, Vickers Hardness Test – Test Method
2. ASTM E384-22, Microindentation Hardness of Materials
3. ASTM E92-23, Vickers and Knoop Hardness of Metallic Materials
4. ISO 14577-1:2026, Instrumented Indentation Test
5. SAE ARP7488: Peening Design and Process Control Guidelines, issued January 2018
Hinweis zu Normen: Maßgebend sind die vollständigen Prüf- und Produktvorgaben aus Zeichnung, Plan oder Vertrag.
Autor: Paweł Kmieć
Besprechen Sie eine Anforderung an die Oberflächenintegrität: +48 519 772 773 | [email protected]




