Erstmusterqualifizierung beim Verfestigungsstrahlen: Plan, Proben und Abnahme

Anforderungsmatrix aufbauen, repräsentative Proben wählen, Abnahme vorab definieren, Seriengrundlage freigeben und Requalifizierung beherrschen

Die Erstmuster- oder Prozessqualifizierung für das Verfestigungsstrahlen weist vor der Routinefreigabe nach, dass der vorgesehene Serienweg die anwendbaren Zeichnungs-, Spezifikations-, Prozess- und Bauteilanforderungen erfüllt. Der Plan muss die Nachweise von Almen-Prüfstreifen, Werkstoffproben, repräsentativer Geometrie und tatsächlichen Serienteilen trennen. Methode, Grenze, Probe, Aufzeichnung und Genehmigungsstelle werden vor dem Versuch festgelegt; eine bestandene Maschineneinstellung qualifiziert kein Bauteil.

Qualifizierungsplan mit Anforderungen Proben und Abnahmekriterien für das Verfestigungsstrahlen
Abbildung 1. Der Qualifizierungsplan ordnet jeder Zeichnungs- und Prozessforderung einen repräsentativen Prüfkörper, eine Methode, Grenze, Aufzeichnung und Genehmigungsstelle zu.

Was wird qualifiziert?

Festzulegen ist, ob ein neuer Fertigungsweg, eine Bauteilnummer, Maschinenverlagerung, geändertes Strahlmittel, neue Vorrichtung oder Maske, überarbeitete Bearbeitungszone oder ein formales Produkterstmuster Gegenstand ist. Diese Umfänge können sich überschneiden, sind aber nicht gleich.

Die Qualifizierungsgrenze sollte Werkstoff und Wärmebehandlung, Eingangsoberfläche, Anlage, Druckluft- oder Schleuderradweg, Strahlmittel, Vorrichtung, Masken, Programm, Bearbeitungszonen, Almen-Bereich, Bedeckungsgrad, Prüfung, Fertigungsfolge, Aufzeichnungen und freigegebene Bezugsquelle benennen. Alles außerhalb benötigt eine Änderungsbewertung.

Welche Proben beantworten welche Fragen?

Nachweisobjekt Möglicher Nachweis Allein nicht nachweisbar
Almen-Prüfstreifen und Halter Strahlintensität unter festgelegter Prüfanordnung Bedeckungsgrad, Zugang, Maße, Oberflächenschaden, Eigenspannungstiefe oder Ermüdung des Bauteils
Flache Begleitprobe Werkstoffspezifische Oberfläche, Rauheit, Härte oder Eigenspannungsmessung bei repräsentativer und genehmigter Ausführung Zugang zu Radius, Bohrung, Maskengrenze oder vollständiger Seriengeometrie
Repräsentativer Geometrieprobekörper Ungünstigster Zugang, Abschattung, Rückprall, Maskenübergang oder Strahlmittelrückstände Jedes Konstruktionsmerkmal des tatsächlichen Teils ohne dokumentierte Gleichwertigkeit
Serienteil oder Erstmuster Bedeckungsgrad der Zonen, Grenzen, Oberfläche, Maße, Sauberkeit und Rückverfolgbarkeit im vorgesehenen Weg Allgemeingültige Leistung außerhalb von Werkstoff und Konfiguration
Ermüdungs- oder Bauteilprobe Anwendungsreaktion unter definierter Last, Umgebung und Stichprobe Serienchargenkonformität, sofern der Vertrag sie nicht ausdrücklich zur Freigabeprüfung macht

Tabelle 1. Keine einzelne Probe ist ein universeller Ersatz für Strahl, Oberfläche, Geometrie und Bauteilverhalten.

Getrennte Nachweise durch Almen-Prüfstreifen Begleitproben repräsentative Merkmale und Serienteile
Abbildung 2. Almen-Prüfstreifen, Begleitproben, repräsentative Merkmale und Serienteile beantworten unterschiedliche Fragen und sind nicht austauschbar.

Wie wird ein Qualifizierungsplan aufgebaut?

Qualifizierungsphase Gefordertes Ergebnis Freigabepunkt
Vertragsprüfung Aktuelle Zeichnung, Spezifikationsrangfolge, Kundenanlagen, Bezugsquellenfreigabe, FAI- oder PPAP-Anwendbarkeit und offene Widersprüche Keine Bearbeitung vor Klärung von Befugnis und Revisionen
Risiko und Machbarkeit Werkstoffzustand, Bearbeitungsplan, Zugang, Kanten, Masken, Vorrichtung, Verzug, Verunreinigung und Strahlmittelentfernung Ungünstigste Merkmale und Stoppkriterien akzeptiert
Prozessentwicklung Anlage, Strahlmittel, Intensitätsbereich, Verfahren zum Nachweis des Bedeckungsgrads, Bewegung, Beaufschlagung und vorläufige Oberflächen- oder Maßreaktion Vorläufiger Prozessbereich ohne Überschreitung der Schadensgrenzen ausgewählt
Qualifizierungsversuch Serienrepräsentatives Objekt, Beladung, Personal, Überwachung, Alarme und geplante Proben Alle vorab festgelegten Prozess- und Bauteilkriterien erfüllt
Dokumentierte Grundlage Freigegebenes Programm, Vorrichtungs- und Maskenrevisionen, Strahlmittel, Intensität, Bedeckungsgrad, Prüfung, Reaktionsplan und Aufzeichnungen Autorisierte Unterschriften und Kundenfreigabe bei Forderung
Serienübergabe Arbeitsanweisungen, Schulung, Verifizierungshäufigkeit, Stichprobe, Instandhaltung, Aufbewahrung und Änderungslenkung Serienstart erst nach Verfügbarkeit der freigegebenen Grundlage

Tabelle 2. Jede Phase erzeugt vor Beginn der nächsten ein freigegebenes Ergebnis.

Wie werden ungünstigste Merkmale ausgewählt?

Ausgewählt werden Merkmale mit schwierigstem Zugang, kleinstem Radius, tiefster Bohrung, stärkster Abschattung, empfindlichster Kante, dünnstem Querschnitt, engster Grenze, höchstem Verzugsrisiko oder schwierigster Strahlmittelentfernung. Der ungünstigste Fall kann für Bedeckungsgrad, Schaden, Maße und Sauberkeit jeweils anders liegen.

Wo praktikabel, wird das tatsächliche Serienteil verwendet. Ein repräsentativer Probekörper benötigt dokumentierte Gleichwertigkeit von Werkstoff, Geometrie, Oberfläche, Einspannung und Beaufschlagung. Ähnliches Aussehen oder gleicher Nennradius genügt nicht.

Wie wird die Intensität qualifiziert?

Der Plan definiert vollständigen Almen-Bereich und Prüfstreifentyp, Prüfort oder -anordnung, Sättigungskurvenmethode, Verifizierungszeitpunkt und Reaktion auf Nichterfüllung nach maßgebender Spezifikation. Druck, Schleuderraddrehzahl, Strahlmitteldurchsatz oder Beaufschlagung sind Eingaben und ersetzen das Almen-Ergebnis nicht.

Almen-Nachweise charakterisieren den Strahl. Sie belegen weder Bauteilbedeckung noch Ermüdungsverhalten. Erzeugen mehrere Düsen, Schleuderräder, Positionen oder Konfigurationen getrennte Strahlen, muss der Plan ihre Repräsentation begründen.

Wie werden Bedeckungsgrad und Grenzen qualifiziert?

Produktionsvorrichtung, Masken, Orientierung, Bauteilabstand, Düsen- oder Schleuderradbewegung und Beaufschlagung werden an jeder Bearbeitungszone qualifiziert. Beleuchtung, Vergrößerung, Oberflächenzustand und visuelle oder genehmigte indirekte Methode sind festzulegen. Fluoreszierende oder andere indirekte Markierverfahren benötigen bei Verwendung Qualifizierung und Korrelation.

Bearbeitete Fläche und Schutzbereiche werden geprüft. Eine Maske kann undicht werden, sich anheben oder Rückprall erzeugen. Übermäßiger Schutz kann einen geforderten Übergang unbehandelt lassen. Zusätzliche Beaufschlagung behebt keine geometrische Unerreichbarkeit.

Welche Oberflächen- und Maßkriterien gehören in den Plan?

Abhängig von der Zeichnung werden Einschlagsschaden, Faltung, Riss, Rauheit, Verunreinigung, eingebettetes oder zurückgebliebenes Strahlmittel, Kante, Bohrungsoberfläche, Ebenheit, Rundheit, Geradheit oder weitere kritische Maße geprüft. Eingangs- und Endmesszustand, Bezug und Temperatur werden definiert.

Eigenspannungstiefe, Härte, Mikrohärte oder Ermüdungsnachweis werden nur ergänzt, wenn sie eine aufgerufene Konstruktions- oder Validierungsforderung beantworten. Zerstörende Prüfungen benötigen eigene Proben und eine rückverfolgbare Beziehung zur Serienkonfiguration.

Freigegebene Prozessgrundlage und Requalifizierungsentscheid nach Änderung des Strahlprozesses
Abbildung 3. Eine freigegebene Grundlage legt Anlage, Strahlmittel, Werkzeug, Bewegung, Abnahme und Änderungsanlässe für die Serienfertigung fest.

Wie sehen belastbare Abnahmekriterien aus?

Abnahmeebene Beispielkriterium Reaktion bei Nichterfüllung
Anforderung Richtiges Bauteil, Zeichnung, Prozessspezifikation, Revision, Kundenanlage und freigegebene Bezugsquelle Arbeit aussetzen und gelenkte Klärung oder korrekte Genehmigung einholen
Strahl Geforderter Almen-Bereich und Prüfstreifentyp mit gültigem Sättigungs- oder Verifizierungsnachweis Betroffenen Versuch oder Teile eingrenzen und Anlage, Strahlmittel und Aufbau untersuchen
Bedeckungsgrad und Grenze Jede festgelegte Fläche nach freigegebener Methode abgenommen und Schutzzonen unversehrt Unerreichbare Stellen nicht durch unbeherrschte Zusatzbeaufschlagung ausgleichen
Oberflächenintegrität Kein unzulässiger Schaden; Rauheit, Verunreinigung und eingebettetes oder zurückgebliebenes Strahlmittel innerhalb aufgerufener Grenzen Abweichung dokumentieren und autorisierten Verwendungsentscheid anwenden
Maße und Funktion Kritische Maße, Verzug, Passung oder Funktionsprüfungen nach allen definierten Freigabeschritten konform Kein informelles Richten, Bearbeiten oder erneutes Strahlen
Nachweispaket Teil und Los mit Konfiguration, Ergebnissen, Abweichungen, Freigaben und Bescheinigung verknüpft Freigabe bleibt bis zur Vollständigkeit gesperrt

Tabelle 3. Strahl-, Bauteil- und Dokumentenabnahme bleiben getrennt und müssen bei Forderung jeweils bestanden sein.

Wie hängt die Qualifizierung mit FAI oder PPAP zusammen?

Die Prozessqualifizierung belegt den Strahlweg. FAI nach AS9102C dokumentiert bei Aufruf Produktverantwortung und anwendbare Konstruktionsmerkmale. PPAP unterstützt bei Aufruf die Freigabe von Automobilproduktionsteilen. Qualifikationsergebnisse können in beide Rahmen einfließen, vervollständigen aber nicht die gesamte Einreichung.

Zu vereinbaren ist, wer die vollständige Einreichung verantwortet und wer Sonderprozessnachweise liefert. Die Bescheinigung des Bearbeiters schließt FAIR oder PPAP nicht automatisch ab.

Was wird für die Serienfertigung eingefroren?

  • Rangfolge von Zeichnung, Prozessspezifikation und Kundenrevisionen.
  • Konfiguration von Anlage, Programm, Vorrichtung, Maske und Bearbeitungszonen.
  • Strahlmittelbezeichnung, Grenzen, Betriebszustand und Verunreinigungskontrollen.
  • Almen- und Bedeckungsgradmethoden, Häufigkeiten, Grenzen und Reaktionen.
  • Abnahme von Oberfläche, Maßen, Sauberkeit und Strahlmittelrückständen.
  • Beladung, Orientierung, Menge, Bewegung und Beaufschlagung.
  • Personalqualifikation und -befugnis, Instandhaltung, Alarme und Reaktion auf Unterbrechung.
  • Aufzeichnungen, Aufbewahrung, Abweichungen, Genehmigungsbefugnis und Änderungsanlässe.

Häufig gestellte Fragen

Ist Erstmusterqualifizierung dasselbe wie FAI nach AS9102?

Nicht zwingend. Prozess- oder Erstmusterqualifizierung belegt den vorgeschlagenen Strahlweg und die Bauteilabnahme. FAI nach AS9102C ist bei Aufruf ein formaler Rahmen der Produktverantwortung in der Luft- und Raumfahrt. Der Vertrag bestimmt ihr Zusammenspiel.

Kann ein Almen-Prüfstreifen das Erstmuster sein?

Nein. Er ist ein standardisiertes Werkzeug zur Intensitätsbestimmung. Er repräsentiert weder Bauteilbedeckung noch Geometrie, Maße, Oberflächenschaden oder alle Konstruktionsmerkmale.

Kann eine Begleitprobe das Serienteil ersetzen?

Nur für die genaue, im Plan genehmigte Eigenschaft und Gleichwertigkeit. Eine flache Probe kann Eigenspannungs- oder Rauheitsmessungen stützen, aber keinen Zugang zu komplexen Serienmerkmalen belegen.

Wie viele Qualifikationsteile werden benötigt?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Geometrievariation, zerstörende Prüfungen, Prozessrisiko, statistischer Bedarf, Kundenregeln und Serienvariation bestimmen die Stichprobe.

Gehört Ermüdungsprüfung zu jeder Qualifizierung?

Nein. Ermüdungs- oder Bauteilprüfung gilt, wenn Konstruktionsstelle, Spezifikation, Validierungsplan oder Vertrag sie aufruft. Sie ist nicht automatisch für jede Routinequalifizierung oder Chargenfreigabe erforderlich.

Genehmigt ein erfolgreiches Erstmuster jede künftige Maschine?

Nein. Die freigegebene Grundlage umfasst dargestellte Anlage und Konfiguration. Übertragung auf andere Maschine, Vorrichtung, Strahlmittelkreislauf, Programm oder Standort benötigt formale Änderungsprüfung und gegebenenfalls Requalifizierung.

Was geschieht, wenn ein Qualifikationskriterium nicht erfüllt ist?

Nachweise werden gesichert, betroffene Objekte eingegrenzt und die Ursache untersucht. Ein Fehlkriterium darf weder mit bestandenen Werten verrechnet noch der Prozess informell geändert werden. Wiederholung erfolgt nur nach genehmigtem überarbeitetem Plan.

Wann ist eine Requalifizierung nötig?

Zu bewerten ist jede Änderung mit möglichem Einfluss auf Strahlenergie, Strahlmittel, Zugang, Bearbeitungsgrenze, Oberfläche, Maße, Prüfung oder Rückverfolgbarkeit. Zeichnung, Spezifikation und Kundenregeln bestimmen den Umfang.

Die wichtigsten Punkte

  • Genauen Umfang und Genehmigungsbefugnis vor dem Versuch festlegen.
  • Jede Probe nur für den von ihr repräsentierbaren Nachweis verwenden.
  • Ungünstigsten Zugang, Schaden, Maße und Strahlmittelentfernung getrennt qualifizieren.
  • Almen-Intensität, Bedeckungsgrad und Bauteilverhalten trennen.
  • Serienrepräsentative Konfiguration und vollständiges Nachweispaket verbindlich festlegen.
  • Jede relevante Änderung vor Serieneinsatz auf Requalifizierung prüfen.

Weiterführende Leitfäden von SP Center

Technische Quellen

1. SAE AMS2430U: Shot Peening, revised April 2018

2. SAE AMS2432E: Shot Peening, Computer Monitored, revised October 2022

3. SAE ARP7488: Peening Design and Process Control Guidelines, issued January 2018

4. SAE J442_202602: Tools for Peening Intensity Determination and Verification, revised February 2026

5. SAE J443_202512: Procedures for Determining and Verifying Peening Intensity, revised December 2025

6. SAE J2277_202301: Shot Peening Coverage Determination, revised January 2023

7. SAE AS9102C, Aerospace Series – First Article Inspection Requirements

Hinweis zu Normen: Maßgebend sind die vollständigen Revisionen, Zeichnung, Qualifizierungsplan und kundenspezifischen Vorgaben aus dem Vertrag.

Autor: Paweł Kmieć

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