Eigenspannungstiefenprofile nach dem Verfestigungsstrahlen richtig auswerten

Oberflächenwert, Druckmaximum, Tiefe und Nulldurchgang erst nach Prüfung von Vorzeichen, Messstelle, Richtung, Schichtabtrag, Korrektur und Unsicherheit auswerten

Ein Eigenspannungstiefenprofil nach dem Verfestigungsstrahlen stellt eine definierte Spannungskomponente über der gemessenen Tiefe unter der behandelten Oberfläche dar. Es kann Oberflächenspannung, maximale Druckeigenspannung, deren Tiefe und den Übergang in Richtung null oder einen Ausgleichsbereich beschreiben. Keines dieser Merkmale lässt sich allein aus der Almen-Intensität zuverlässig ableiten; ohne Messrichtung und Verfahren ist kein Wert vollständig.

Eigenspannungstiefenprofil mit Oberflächenwert Maximum und Nulldurchgang
Abbildung 1. Ein Tiefenprofil kann Oberflächenspannung, maximale Druckeigenspannung, deren Tiefe und einen definierten Nulldurchgang zeigen; die Vorzeichenkonvention ist anzugeben.

Welche Merkmale werden aus der Kurve gelesen?

Kurvenmerkmal Bedeutung Grenze der Interpretation
Oberflächenwert Durch die erste Messung an oder nahe der behandelten Oberfläche repräsentierte Spannung Das XRD-Messvolumen ist endlich und kein mathematischer Punkt in Tiefe null
Maximale Druckeigenspannung Stärkster ausgewiesener Druckwert nach der angegebenen Vorzeichenkonvention Ein einzelner Extrempunkt kann Messstreuung sein und benötigt eine Unsicherheitsbewertung
Tiefe des Druckmaximums Tiefenkoordinate dieses Maximums Hängt von Abtragsschritten, Ursprung und Kurvenauflösung ab
Nulldurchgang Definierte Tiefe, an der das Profil den gewählten Null- oder Referenzzustand erreicht Interpolation und ausgleichende Spannungen müssen festgelegt sein
Druckeigenspannungstiefe Nach der gewählten Definition als Druckbereich eingestufte Tiefe Kein allgemeingültiges Synonym für die gesamte beeinflusste Tiefe
Tiefer liegender Ausgleichsbereich Zug- oder geringere Druckspannung kann aus Gleichgewichtsgründen auftreten Kann außerhalb des Messbereichs liegen und ist geometrieabhängig

Tabelle 1. Jedes Kurvenmerkmal benötigt eine eindeutige Definition, bevor es als Abnahmegröße dient.

Druckspannung wird häufig negativ dargestellt, aber nicht ausnahmslos. Eine umgekehrte Vorzeichenkonvention lässt zwei physikalisch gleiche Profile gegensätzlich erscheinen. Vor dem Vergleich kennzeichnet der Bericht Spannungseinheit, Tiefeneinheit, Oberflächenursprung und Vorzeichen.

Der stärkste Druckwert ist nicht automatisch das wichtigste Konstruktionsmerkmal. Zeichnung oder Qualifizierung können Oberflächenspannung, einen Mindestdruckwert in vorgegebener Tiefe, Druckeigenspannungstiefe, vollständiges Profil oder eine andere definierte Größe lenken.

Warum kann das Druckmaximum unter der Oberfläche liegen?

Verfestigungsstrahlen erzeugt ein plastisch-elastisches Zusammenwirken, dessen Profil von Werkstoffzustand, Strahlmittel, Auftreffbedingungen, Bedeckungsgrad und Geometrie abhängt. Ein unter der Oberfläche liegendes Maximum tritt bei vielen Anwendungen auf, seine Lage und Höhe sind aber nicht allgemeingültig. Rauheit, Vorbearbeitung, Phasenzustand und lokale Einspannung beeinflussen ebenfalls das Ergebnis.

Der Mechanismus darf nicht allein aus der Kurvenform abgeleitet werden. Ein veränderter erster Punkt kann aus dem realen Prozess, Oberflächenvorbereitung, endlicher Röntgeneindringtiefe, Textur oder Messqualität stammen.

Welche Messangaben bestimmen das Profil?

Messangabe Bedeutung Erforderliche Aufzeichnung
Bauteilmessstelle Kerbe, Kante, Bohrung und freie Fläche können unterschiedliche Profile besitzen Zeichnungsbezug, Koordinaten und Messfleckgröße
Spannungsrichtung Längs-, Quer- und andere Azimutrichtungen müssen nicht gleich sein Richtung, Orientierung und ausgewiesene Spannungskomponente
Strahlung und Netzebene Werkstoff, Phase und Beugungsreflex beeinflussen die Berechnung Strahlung, hkl, Verfahren und röntgenografische Elastizitätskonstanten
Schichtabtrag Die tatsächlich abgetragene Tiefe definiert jeden Messpunkt unterhalb der Oberfläche Abtragsverfahren, gemessene Schritte und Endtiefe
Umlagerungskorrektur Werkstoffabtrag kann verbleibende Spannungen umlagern Korrekturverfahren, Geometrieannahmen und unkorrigierte Daten
Unsicherheit und Qualitätsmerkmale Textur, Korngröße, Reflexqualität und Justage können die Aussagefähigkeit begrenzen Anpassungsqualität, Unsicherheit, Wiederholungen und Geräteverifizierung

Tabelle 2. Ein Spannungswert ohne Richtung, Beugungs- und Vorbereitungsangaben ist unvollständig.

XRD misst Gitterdehnung in festgelegter kristallografischer und geometrischer Anordnung und berechnet daraus mit geeigneten Elastizitätskonstanten und Annahmen die Spannung. Werkstoff, Phase, Textur, Kornstatistik und Reflexqualität können die Eignung beeinflussen. ASTM E2860 besitzt einen spezifischen Anwendungsbereich für Wälzlagerstähle und ist kein allgemeingültiges Verfahren für jede Legierung.

XRD Schichtabtrag Tiefenschritte Messrichtung und Korrektur der Spannungsumlagerung
Abbildung 2. Tiefenursprung, tatsächlicher Schichtabtrag, Messrichtung, röntgenografische Elastizitätskonstanten und Umlagerungskorrektur beeinflussen die ausgewiesene Kurve.

Wie wird die Tiefe bestimmt?

Aufeinanderfolgende Messungen unterhalb der Oberfläche benötigen üblicherweise einen gelenkten Schichtabtrag. Der Bericht verwendet die tatsächlich gemessene Abtragstiefe und nicht nur den Nennschritt des Polierens. Mechanischer Abtrag kann Spannungen einbringen; deshalb wird im Rahmen des maßgebenden Verfahrens eine geeignete störungsarme Methode gewählt.

Werkstoffabtrag kann die verbleibenden Spannungen entspannen und umlagern. Ist eine Korrektur erforderlich, werden Verfahren und Geometrieannahmen angegeben und unkorrigierte Werte erhalten. Ein korrigiertes Profil eines dünnen Bauteils darf nicht unkritisch mit einem unkorrigierten Profil einer massiven Probe verglichen werden.

Wie werden zwei Profile verglichen?

Vergleichsfrage Zulässiges Vorgehen Unzulässige Abkürzung
Hat sich der Oberflächenwert geändert? Gleiche Messstellen und Richtungen unter Berücksichtigung der Unsicherheit vergleichen Nur den günstigsten Punkt vergleichen
Ist die Druckeigenspannungszone tiefer? Gleichen Tiefenursprung, Abtragsschritte, Korrektur und Nulldefinition verwenden Tiefe aus unterschiedlich skalierten Diagrammen ablesen
Ist ein Profil besser? Tatsächliche Konstruktionsmerkmale und Zielkonflikte anwenden Die Kurve mit dem überall größten Druckwert bevorzugen
Belegt die Kurve die Ermüdungslebensdauer? Bei Forderung mit repräsentativen Ermüdungsnachweisen korrelieren Spannung direkt in allgemeingültigen Lebensdauergewinn umrechnen
Ist das Ergebnis übertragbar? Gleichwertigkeit von Werkstoff, Geometrie, Prozess und Messung prüfen Übertragung bei gleicher Almen-Intensität

Tabelle 3. Gleiche Achsen sind notwendig, aber nicht ausreichend; die vollständige Messgrundlage muss übereinstimmen.

Verglichen werden vollständige Datensätze und nicht nur ein ausgewähltes Minimum. Punkte, Tiefenschritte und Unsicherheit oder andere Qualitätsmerkmale werden zusätzlich zur geglätteten Linie gezeigt. Liegen Unterschiede nahe der Messfähigkeit, sind Wiederholungsmessungen und eine vorab definierte Entscheidungsregel belastbarer als eine visuelle Rangfolge.

Auch die Bauteilzustände müssen vergleichbar sein. Werkstoffcharge, Wärmebehandlung, Eingangsbearbeitung, Oberflächengüte, Messstelle, Strahlprozess und nachfolgende thermische oder mechanische Historie können das Profil ändern.

Vergleich von Eigenspannungsprofilen mit gleichen Achsen Messstellen und Unsicherheiten
Abbildung 3. Profile erst nach Abgleich von Verfahren, Messstelle, Richtung, Achsen, Vorbereitung, Korrektur und Messunsicherheit vergleichen.

Was belegt die Kurve nicht?

  • Sie belegt nicht den Bedeckungsgrad der geforderten Bauteilzone.
  • Sie rekonstruiert nicht selbstständig Intensität oder Strahlmittelzustand.
  • Sie belegt keine Ermüdungslebensdauer ohne repräsentative Validierung.
  • Sie belegt nicht denselben Spannungszustand in anderer Richtung, an anderem Merkmal oder Bauteil.
  • Sie erlaubt keine Extrapolation über die gemessene Tiefe hinaus.
  • Sie ersetzt keine Oberflächen-, Maß- oder Schadensabnahme.

Was muss eine Messanfrage festlegen?

Erforderlich sind Bauteil und Revision, Werkstoff und Wärmebehandlung, Strahlzustand, Messstellen und Richtungen, geforderte Spannungskomponenten, Tiefenbereich und Schritte, Verfahren, gegebenenfalls Strahlung und Netzebene, Schichtabtrags- und Korrekturanforderungen, Unsicherheit, Wiederholungen, Rohdatenformat und Freigabeverantwortung.

Ist die Konstruktionsforderung unklar, wird sie vor der Messung gelenkt geklärt. Richtung oder Nulldefinition erst nach Sichtung der Ergebnisse auszuwählen, verzerrt die Abnahmeentscheidung.

Häufig gestellte Fragen

Was zeigt ein Eigenspannungstiefenprofil?

Es zeigt eine oder mehrere definierte Eigenspannungskomponenten in Abhängigkeit von der gemessenen Tiefe unter der behandelten Oberfläche bei angegebenem Mess-, Vorbereitungs- und Korrekturverfahren.

Wird Druckspannung immer negativ dargestellt?

Nein. Negative Druckspannung ist üblich, einige Berichte verwenden jedoch die umgekehrte Konvention. Vor dem Kurvenvergleich sind Achse und Vorzeichenkonvention eindeutig zu kennzeichnen.

Was ist die maximale Druckeigenspannung?

Es ist der stärkste ausgewiesene Druckwert nach der angegebenen Konvention. Seine Belastbarkeit hängt von Kurvenauflösung, Punktqualität und Unsicherheit und nicht nur vom Zahlenextrem ab.

Was bedeutet Druckeigenspannungstiefe?

Es ist der Tiefenbereich, der nach einer ausdrücklich definierten Null- oder Referenzbedingung als Druckbereich gilt. Er bezeichnet nicht automatisch jede durch das Strahlen beeinflusste Werkstoffeigenschaft.

Warum wird für ein Tiefenprofil Werkstoff abgetragen?

Labor-XRD erfasst hauptsächlich ein flaches oberflächennahes Volumen. Gelenkter Schichtabtrag legt tiefere Bereiche nacheinander frei, kann aber Spannungen umlagern und eine Korrektur erfordern.

Können zwei XRD-Profile direkt verglichen werden?

Nur wenn Werkstoff, Messstelle, Richtung, Tiefenursprung, Strahlung, Netzebene, Abtrags- und Korrekturverfahren, Einheiten und Unsicherheit vereinbar sind.

Lässt sich das Eigenspannungsprofil aus der Almen-Intensität ableiten?

Nein. Eine allgemeingültige Umrechnung existiert nicht. Intensität kennzeichnet den Strahl; Werkstoff, Strahlmittel, Exposition, Geometrie und Ausgangszustand bestimmen das Bauteilprofil.

Bedeutet ein tieferes Druckprofil immer längere Ermüdungslebensdauer?

Nein. Betriebsbelastung, Oberflächenzustand, Spannungsgradienten, Fehler, Geometrie und Relaxation wirken mit. Eine Ermüdungsaussage benötigt anwendungsrepräsentative Validierung.

Die wichtigsten Punkte

  • Vorzeichenkonvention, Einheiten und Tiefenursprung vor der Kurvenauswertung festlegen.
  • Oberflächenwert, Druckmaximum, dessen Tiefe und definierten Nulldurchgang trennen.
  • Messstelle, Richtung, Beugungsverfahren, Elastizitätskonstanten und Schichtabtrag aufzeichnen.
  • Messunsicherheit und gegebenenfalls Umlagerungskorrektur berücksichtigen.
  • Vollständige vergleichbare Datensätze statt günstiger Punkte oder nur geglätteter Linien bewerten.
  • Eigenspannungsprofile ersetzen weder Bedeckungsgradprüfung noch Ermüdungsvalidierung.

Weiterführende Leitfäden von SP Center

Technische Quellen

1. SAE AS7045, Residual Stress Measurement and Classification, Metallic Structural Alloy Products and Finished Parts

2. ASTM E915-21, Standard Practice for Verifying the Alignment of X-Ray Diffraction Instruments for Residual Stress Measurement

3. ASTM E2860-20, Standard Test Method for Residual Stress Measurement by X-Ray Diffraction for Bearing Steels

4. ASTM E1426-14(2024), X-Ray Elastic Constants for Residual Stress Measurement

5. SAE J2441_202511: Shot Peening, stabilized November 2025

6. SAE ARP7488: Peening Design and Process Control Guidelines, issued January 2018

Hinweis zu Normen: Maßgebend sind die vollständigen durch das Projekt aufgerufenen Mess- und Abnahmeforderungen. Anwendungsbereich und Werkstoffeignung einer XRD-Norm sind vor ihrer Verwendung zu prüfen.

Autor: Paweł Kmieć

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